Silvesternight

Der erste Teil ist ein Silvesterbrauch

In Rumisberg hat ein Volksbrauch überlebt. An jedem Silvesterabend führt ein historischer Umzug mit seinen Figuren die Dorfstrasse hinauf. Anhand des folgenden Berichtes, welcher aus spartanischen Überlieferungen zusammengetragen worden ist, möchten wir Ihnen die Geschichte und die Besonderheiten dieses Einmaligen Brauchtums etwas näher vorstellen. Es ist dunkel, und der eisige Wind heult von den Jura­höhen herab. Eine kuriose Schar mit unheimlichen Gestalten bewegt sich durch die Rumisberger Dorfstrasse.

BEZEICHNUNGEN

"Chläuslen", "Chlausen", "Chlausne", "Gläusen"

URSPRUNG UND PHILOSOPHIE

Das Brauchtum geht in die Heidnische Zeit zurück. Damals glaubten die Leute an Geister. Mit viel Lärm (Glockengeläute) versuchte man am Jahresende, die Bösen davon zu vertreiben. Als im 16. Jahrhundert die Reformation Einzug hielt, wurden solche Bräuche verboten.

Vor rund zweihundert Jahren flackerte das "Chlausen" im geheimen wieder auf. Die erste schriftliche Erwähnung, in zwei sogenannten Chlausenbüchern, datierte das Jahr 1873. Das Erste dieser Bücher ging beim Brand des Gasthaus Bären, im Jahre 1904, verloren.

Der Umzug begann immer in der Haarnadelkurve unter dem Dorfeingang und führte, bis anfangs der Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts, bis in die Schoren, einem Quartier oberhalb von Rumisberg, hinauf. Seither wird im oberen Dorf kehrt gemacht, auf dem sogenannten Müllerplatz.

Beim "Chlausen konnten alle jungen Männer mitmachen, welche die obligatorische Schulzeit absolviert hatten. Davon musste jeder den "Gläusibatzen", einen Fünfliber, bezahlen.

Am Silvesterabend 1973 verschwand unter mysteriöser Weise das zweite Chlausenbuch. Im Jahr darauf wurde ein neues angeschafft, welches heute noch jährlich nachgetragen wird.

FIGUREN UND GESTALTEN

Der Umzug besteht aus verschiedenen Figuren, welche alle ihre Bedeutung und Charakter haben.

 

"Alti" und "Alte": Ehepaar, welches das Alte Jahr symbolisiert.


"Geislechlöpfer" führt den Umzug an, gibt die Kommandos.



"Fackelträger" trägt das heilige Licht, das von den weissen Buben bewacht wird.



"Weissen Buben" Laufen um den "Fackelträger" herum.



"Glockenträger": Freiwillige aus dem Dorf die den Kern des Umzugs bilden und den Lärm verursachen.


"Buschi" mit Eselskopf: Fecken die Zuschauer



ORGANSIATOREN UND ORGANISATION

Für die Organisation des Brauchtums ist heute die Jungmannschaft zuständig, ein Verein, welcher aus dem "Chlausenbrauch" heraus entstand. Alljährlich, anfangs Dezember, trifft man sich zur "Chlausen­versammlung" wo der Umzug organisiert wird. Dabei wird jedem Mitglied ein Auftrag erteilt, der auch beinhaltet welche Figur des Umzugs er darstellen muss.

Am Silvesternachmittag treffen sich die Mitglieder um bei den Bauern, und bei weiteren Personen die Glocken einzusammeln, welche meistens schon unaufgefordert bereitstehen. Das Depot wird, wie auch schon seit Jahren, im Unteren Winkel bei der Familie Allemann erstellt.

Etwa um 19.30 Uhr werden dann die "Glockenträger" erwartet. Dies sind vor allem Ortsansässige Rumisberger oder sogenannte "Heimwehrumisberger", welche bei uns aufgewachsen sind und auch einmal als Mitglieder bei der Jungmannschaft mitgewirkt haben.

Um Punkt 20.00 Uhr geht es dann los, die Dorfstrasse hinauf. Das Spektakel dauert jeweils eine Stunde.

Die Glocken werden immer am Nachmittag, des 2. Januars, den Besitzern wieder zurückgebracht. Am Abend findet dann jeweils ein Fondue–Essen im Rest. Hinteregg statt.

Gegen 100 Glocken werden bei 14 verschiedenen Bauern eingesammelt. Auch ist man froh, dass viele ihre Geschelle aus der Zeit, als noch mit den Pferden gearbeitet wurde, aufbewahrt haben.

GEGENWART UND ZUKUNFT

Die Gesellschaft hat sich verändert: Schnelllebigkeit ist angesagt. Veränderungen hier, Veränderungen dort. Langweilig an einem Silvester alljährlich das selbe zu veranstalten, wenn es doch anderswo ein (Über-) Angebot an viel tolleren Sachen hat.

Dies bekam der Silvesterumzug in den letzten Neun­zigerjahren zu spüren: Nicht nur die Zuschauerzahlen gingen zurück, sondern auch die Mithelfer wurden immer weniger. Da die Durchführung des Umzugs, gerade wegen den Requisiten teuer ist und die Jungmannschaft keine öffentlichen Gelder erhält, war man zum Handeln gezwungen.

Dies spornte die Jungmannschaft dazu an, den Umzug mit einigen Besonderheiten zu erweitern. Mit Erfolg!

Mit diesen "Massnahmen" konnten wieder mehr Leute am Silvester nach Rumisberg gelockt werden. Dennoch soll auch in Zukunft das Brauchtum die primäre Rolle spielen!

Wir, die Jungmannschaft Rumisberg, sind bestrebt dieses, in unserer Region einzigartige Brauchtum, am Leben zu erhalten.

Der zweite Teil ist eine Party in der Turnhalle

Nach dem Brauchtum folgt in der Turnhalle Rumisberg eine Party. In der Turnhalle gibt es eine Nische für Jung und Alt. Nebst der Bar gibt es auch einen gemütlicheren Teil mit Bänken.